Bildobjekte von Thomas Behling

 


Das etwas unförmige, gräulich-olivgrüne Plastikteil ist die verdreckte, ehmalige Fahrerkabinenrückwand eines Kleintransportes. Auf der Ablage im Rückfenster hat sich eine seltsame Kulisse verirrt aus einer Plastikkirchenruine, kleinen Grabkreuzen und winterlich kahlen, knorrigen Baumfiguren.
Dahinter leuchtet durch das Rückfenster der Abendhimmel mit dünner Mondsichel herrein.

 

Das ganze erinnert an etwas schon bekanntes und in der Tat spielt das Objekt auf Caspar David Friedrichs “Abtei im Eichenwald” an.
„Don't look back!“ nennt Thomas Behling dieses Objekt. Und dabei tut er immer wieder genau das: Zurück schauen, sozusagen in den verdreckten Rückspiegel. Dort sieht er den Weg, der uns hierher geführt hat, wo wir jetzt stehen – oder vielleicht sollte man besser sagen: wo wir jetzt stecken.

 

Überkommene Bildformen, wie sie die Wohnzimmer früherer Generationen schmückten, drücken eine Weltsicht aus, die prägend ist und sich ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat.

 

Thomas Behling interessiert dieses weltanschauliche Erbe, welches wir in unserem Hinterköpfen mit uns tragen. Es prägt unsere Sicht auf die Welt mehr unter- als bewusst und widerspricht oftmals unserem Selbstverständnis.

 

Daher nutzt er häufig altes Material wie z.B. Rahmen oder auch gefundenes meist triviales Bildmaterial, wie er gleichermaßen aber auch Neuem den Anschein „alt“
und „authentisch“ zu sein gibt, obwohl es so nie gewesen sein kann. So arbeitet Thomas Behling neben Verfremdungen und Übersteigerungen z.B. mit Licht – als Hinterleuchtung oder Funkelbild - und erzeuge trotzdem glaubhaft einen Fundstückcharakter. Die für den Betrachter unklare Grenze zwischen Neuem und Altem ist gewollt. Denn das, was wir für authentisch halten, ist vor allem das Bild, das wir uns davon machen.

Bei seinen Bearbeitungen und Untersuchungen verfolgt Thomas Behling eine Differenzierung, wo diese nicht als etwas Eindeutiges gelingen kann, weil Seichtes und Gehalt, Illusion und Vision, Realitätsflucht und Reflexion miteinander untrennbar verwoben sind.

 

Thomas Behling trifft genau die Grenze zwischen kritischer Analyse und naiver Huldigung, zwischen Ernst und Ironie.
Er nimmt Aspekte der Täuschung und Erfindung auf, überspitzt, bricht und entlarvt auch manchmal - aber Letzteres niemals denunziatorisch oder überheblich, sondern um die Funktionsweise der Illusion zu verdeutlichen – mit dem Ergebnis, dass hinter dem einen, schlichten Weltbild oft ein weiteres ebenso vereinfachendes Modell der Welt zum Vorschein kommt. Er vereint in seinen Bildobjekten – durchaus dialektisch – die Demaskierung des Verblendungszusammenhangs mit der Erfahrung der Desillusionierung beim Blick auf das, was hinter dem Schleier liegt.